Interview mit mir, erschienen in “Neue Wege“, 4/2015

 

In der Medien Welt ist allerhand los. Übernahmen, Fusionen, Redaktoren werden weggelobt, andere herangebetet – es wirkt hilflos und oft peinlich. Und: es macht all jenen, die eigentlich eine kritische aufklärende Presse wünschen Sorgen.

Es gibt Alternativen. Volksrecht – so hiess es während Jahrzehnten, dann ein erster Refresh mit dem Kürzel daz (die andere Zeitung) und dann PS ist seit 16 Jahren ein verlässliches linkes Organ, das regional und national und wo möglich auch international Themen aufnimmt und darstellt, Position bezieht und zur Diskussion stellt. Dass es immer wieder in finanziellen Nöten ist, ist ebenso vertraut wie die Sicherheit, dass es genügend Unterstützer/innen findet, damit die Arbeit weitergehen kann.

Am 1. Februar 2015 hat Min Li Marti, SP Fraktionspräsidentin im Zürcher Gemeindeparlament die Verantwortung von Koni Loepfe, der die Zeitung über 16 Jahre verantwortet hat, übernommen. Monika Stocker fragt nach:

 

  1. Was ist die Motivation, eine solche Zeitung zu übernehmen? Was ist das Ziel?

Ich war am P.S.-Fest zum 15. Jubiläum und das Fest war zwar nett, aber doch von der Anzahl Besucherinnen und Besucher eher überschaubar und ich gehörte eher zu den Jüngsten an diesem Abend. Und so überlegte ich mir, wie die Zukunft des P.S. sein könnte. Ich fand, es dürfe nicht sein, dass die Zeitung quasi mit Koni Loepfe gemeinsam in Pension geht und es sie dann einfach nicht mehr gibt, gerade auch wegen der langen Tradition.

Ich habe während dem Studium lange zwischen Politik und Journalismus geschwankt, war in beidem aktiv und wusste nicht, in welche Richtung ich gehen soll. Ich bin schliesslich zur SP als Parteisekretärin gegangen. Dann wurde ich in den Gemeinderat gewählt und damit war quasi die Karriere im Journalismus beendet, bevor sie angefangen hat. Beides zu verbinden geht in konventionellen Medien nicht, beim P.S. aber schon.

Zum letzten Grund: Das P.S. spielt eine wichtige Rolle für die Linke (und auch für Grüne) im Kanton und vor allem in der Stadt Zürich. Wir berichten über Veranstaltungen, die sonst ignoriert werden und wir haben die Ratsberichterstattung neu ausgebaut statt abgebaut, wie alle anderen Medien. Das P.S. soll auch der Ort sein, wo Debatten stattfinden, Ideen gewälzt und Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden sollen. Es braucht die Medienvielfalt auch von links, sonst verschiebt sich der Mainstream noch mehr nach rechts.

 

  1. Was ist das Potenzial für das PS? Was kann es und was nicht?

Das Potenzial besteht meines Erachtens darin, dass die Meinungspresse ein Comeback erlebt. Die Parteipresse ist im letzten Jahrhundert untergegangen, die Medienkonzentration ist fortgeschritten. Aber im Zeitalter von Internet hinkt die gedruckte Zeitung immer einen Schritt hinterher. Im Tages-Anzeiger oder in der NZZ kann man in der gedruckten Ausgabe einige Artikel lesen, die bereits am Vortag schon Online erschienen sind. Dann fragt man sich jeweils schon, ob es nicht auch ein Digital-Abo täte. Für News ist das Internet einfach schneller. Zudem gibt es auch Gratismedien – gedruckt oder online – mit denen man auch erfahren kann, was in der Welt aktuell läuft, ohne etwas zahlen zu müssen. Es gibt aber ein Bedürfnis nach Einordnung, nach Analyse und nach Kommentaren. Gerade politische Menschen brauchen mehr als reine News, sie wollen Meinungen – auch wenn sie sie nicht immer teilen.

Was für uns eine grosse Herausforderung ist – wie wohl für alle – ist es, mehr Junge ansprechen zu können, ohne die „alten“ Leserinnen und Leser zu vergraulen. Das gelingt nicht immer. Gerade unser neues Erscheinungsbild kommt bei den Jüngeren gut an, einige langjährige Leserinnen und Leser haben damit Mühe. Es braucht aber eine Erneuerung, sonst geht das P.S. unter. Und zwar relativ schnell.

Zu guter Letzt: Wir haben nur begrenzte Ressourcen. Unsere Redaktion besteht aus drei Personen. Zum Glück bleibt uns Koni Loepfe zusätzlich in leicht reduzierter Tätigkeit erhalten.  Mit so wenig Leuten jede Woche eine Zeitung zu füllen, ist durchaus anspruchsvoll. Da bleibt eine vertiefte Recherche leider zu einem gewissen Teil auf der Strecke. Zudem hätte ich durchaus gerne mehr Mittel für freie Journalistinnen und Journalisten. Wir zahlen so lausige Honorare, dass man das eigentlich niemanden zumuten kann.

 

  1. Die woz ist so quasi die grosse Schwester des PS. Warum soll es beide geben?

Es gibt auch nicht nur eine bürgerliche Zeitung! Konkurrenz belebt das Geschäft. Um Susan Boos von der woz zu zitieren:  „Gescheite Dispute brauchen linke Medien – je mehr, desto besser.“ Das P.S. ist ausserdem lokal ausgerichtet, die woz national. Aber es wäre ja himmeltraurig, wenn es bei einem Potenzial von 30-40 Prozent Mitte-links-grün-denkenden nicht Platz hätte für beides, gerade im grossen Kanton Zürich.

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